Ein Workshop zu Berührung, Wahrnehmung, Anpassung und Resonanz – offen für alle, die mit Berührung arbeiten (z.B. Shiatsu-Praktizierende, Trager-Therapeuten, Cranio-Therapeutinnen, etc.)
Wenn wir eine andere Person berühren, berühren wir dann wirklich nur sie?
Berührung wird oft als etwas verstanden, das wir tun: Wir üben Druck aus, bewegen Gewebe, wenden eine Technik an, stimulieren eine Struktur. Doch in dem Moment, in dem Kontakt entsteht, beginnt etwas Komplexeres zu geschehen. Der Empfänger reagiert auf unsere Berührung, und diese Reaktion beeinflusst unweigerlich unsere Wahrnehmung und folglich auch die Art und Weise, wie wir berühren.
Es gibt daher keine wirklich neutrale Berührung.
Jede Berührung ist Teil einer Beziehung zwischen zwei lebenden Systemen. Was wir wahrnehmen, hängt nicht nur von der Person ab, die wir berühren, sondern auch davon, wie wir auf sie zugehen, von unserem eigenen Zustand der Präsenz, von unseren Erwartungen und von der Qualität unseres Zuhörens.
Dies wirft eine faszinierende Frage auf, die auch mit einer der tiefgreifenden erkenntnistheoretischen Einsichten der modernen Physik im Einklang steht: können wir ein Phänomen beobachten, ohne Teil davon zu werden?
Ohne den Versuch, die Quantenphysik direkt auf den Bereich der Körperarbeit zu übertragen, bietet diese Frage einen kraftvollen Ausgangspunkt für die Erforschung der Berührung. Der Beobachter und das Beobachtete können nicht immer als völlig unabhängig voneinander betrachtet werden. In ähnlicher Weise steht bei der berührungsbasierten Arbeit die Person, die berührt, nicht ausserhalb des Phänomens: Ihre Präsenz ist Teil dessen, was sich entfaltet.
Der Workshop erforscht diese relationale Dimension der Berührung durch praktische Übungen.
Von der Technik zur Beziehung
Wir werden untersuchen, wie dieselbe technische Geste je nach der Person, die sie empfängt, sehr unterschiedliche Erfahrungen hervorrufen kann – und wie sich unsere eigene Berührung spontan als Reaktion darauf verändert.
Druck, Gewicht, Rhythmus, Geschwindigkeit, Richtung, Kontinuität, Tiefe und Qualität des Kontakts lassen sich alle entsprechend unserer Wahrnehmung modulieren.
Das Ziel ist nicht, noch eine weitere Reihe von Techniken zu erlernen, sondern die Fähigkeit zu entwickeln, die Berührung an die Person anzupassen, die tatsächlich da ist.
Dies erfordert eine Verfeinerung der Wahrnehmung.
Was nehmen wir eigentlich mit unseren Händen wahr? Und was geschieht, wenn wir uns erlauben, über die Hände hinaus wahrzunehmen – durch Bewegung, Atmung, Hören, Sehen, Propriozeption und unsere eigenen inneren Empfindungen?
Die Wahrnehmung wird multisensorisch, und die Berührung wird zu einem Akt des Zuhörens.
Der Empfangende als Partner im Prozess
Ein zentraler Schwerpunkt des Workshops wird der kontinuierliche Feedback-Kreislauf zwischen Wahrnehmung und Handlung sein:
Wahrnehmung ? Berührung ? Reaktion ? neue Wahrnehmung ? neue Berührung
Der Empfangende ist daher kein passiver Empfänger einer Technik. Seine Reaktion wird zur Information, und diese Information ermöglicht es dem Behandelnden, den nächsten Kontakt anzupassen.
In diesem Sinne wird die Berührung zu einem Dialog.
Wir werden den Unterschied zwischen dem Aufzwingen einer vorgegebenen Handlung und dem Zulassen einer Berührung, die auf das Eintretende reagiert, erforschen. Wir werden mit beiden Ansätzen experimentieren und den Kontrast greifbar und unmittelbar machen.
Uketoru – Verbinden, bevor man handelt
Ein wichtiges Element des Workshops wird das japanische Konzept von Uketoru
sein – verbinden, annehmen, aufnehmen.
Bevor wir fragen, was wir mit der anderen Person tun können, können wir eine grundlegendere Frage stellen:
Können wir den anderen wirklich willkommen heissen?
Die Qualität unserer Berührung hängt massgeblich von der Qualität unserer Fähigkeit ab, eine Verbindung herzustellen.
Dies eröffnet eine andere Perspektive auf die Berührung: Anstatt zu versuchen, den
Empfänger zu verändern, machen wir uns zunächst bereit, wahrzunehmen, was bereits geschieht. Von diesem Ort aus kann die Reaktion auf natürliche und präzise Weise entstehen.
Vom Spüren zum Mitschwingen
Der Verlauf des Workshops wird schrittweise voranschreiten:
vom Handeln zum Spüren,
vom Spüren zum Reagieren,
vom Reagieren zum Mitschwingen.
Resonanz ist hier nicht einfach eine Metapher für Harmonie. Sie beschreibt die Möglichkeit, dass zwei Menschen durch verfeinerte Wahrnehmung und einfühlsame Berührung die Themen für den multisensorischen Dialog selbst wählen können.
So treten wir in eine kohärentere Beziehung ein.
Der Praktizierende verschwindet nicht, und auch die Technik verliert nicht an Bedeutung. Im Gegenteil: Die Technik wird subtiler, flexibler und intelligenter – sie dient der Wahrnehmung, anstatt sie zu ersetzen.
Letztendlich lautet die Frage:
Wer berührt hier eigentlich wen?
Vielleicht beginnt die tiefgreifendste Veränderung im Berühren, wenn wir erkennen, dass Kontakt niemals in eine Richtung verläuft. Während wir berühren, werden wir auch von
dem, was wir berühren, beeinflusst. Wir beeinflussen und werden beeinflusst; wir nehmen wahr und werden wahrgenommen. Die Kunst der differenzierten Berührung liegt genau hier:
zu wissen, was zu tun ist,
zu wissen, wann man es ändern muss, und vor allem
zu wissen, wann man zuhören muss.
Der Workshop steht sowohl Shiatsu-Praktizierenden als auch Praktizierenden anderer Disziplinen offen, die mit Berührung zu tun haben. Durch eine Kombination aus kurzen theoretischen Auseinandersetzungen, sensorischen Experimenten und praktischen Übungen zu zweit werden die Teilnehmenden eingeladen, ihre eigene Fähigkeit zur Wahrnehmung, Anpassung und beziehungsorientierten Berührung zu entdecken.
Voraussetzungen
Für alle Körpertherapeut:innen geeignet.Kurssprache
Der Kurs ist in Englisch mit deutscher Übersetzung.Kurszeiten
FR: 10 - 12.30 / 14.30 - 18.30 UhrSA: 9 - 12.30 / 14.30 - 18.30 Uhr
SO: 9 - 12.30 Uhr / 14.30 - 16 Uhr
Bemerkung
20 Std. Fortbildung, EMR/ASCA konform.Kursleitung
Patrizia STEFANINI
schloss ihr Physikstudium mit Auszeichnung ab (1982) und spezialisierte sich auf medizinische Physik (1985). Gleichzeitig begann sie, Yoga, Aikido und Shiatsu zu studieren. Zunächst absolvierte sie eine Shiatsu-Ausbildung in Italien, dann entschied sie sich, ihre Studien zunächst bei Wataru Ohashi und später, für fast zwei Jahrzehnte, bei Pauline Sasaki fortzusetzen. In den letzten Jahren hat sie ihre Fähigkeiten aus dem Physikstudium genutzt und Theorien und experimentelle Daten erforscht, um das Menschenbild zu stützen, das dem Shiatsu und ganz allgemein der Östlichen Medizin zugrunde liegt. Sie ist Mitautorin von drei grundlegenden Texten über Shiatsu und Östliche Medizin sowie von Dutzenden von Artikeln zu denselben Themen, die sie durch die Brille der modernen westlichen Wissenschaft betrachtet. Ursprüngliche Aspekte ihres Shiatsu-Ansatzes betreffen die Betrachtung des Menschen im Sinne eines Quanten-Makrosystems.
Kurskosten
CHF 590 (exkl. Unterkunfts-, Verpflegungskosten und Kurtaxe)
CHF 530 (exkl. Unterkunfts-, Verpflegungskosten und Kurtaxe). Der Frühbucherpreis ist nur anwendbar bei einer Anzahlung von 20% 14 Tage nach Anmeldung und Bezahlung der Restkosten bis spätestens 60 Tage vor Seminarbeginn. Bitte beachten Sie hierzu die Ziff 8, 20 und 21 der AGB.
| Preise pro Person für Übernachtung inkl. Vollpension für 2 Nächte | CHF |
|---|---|
| ChieneHuus: | |
| Einzelbelegung Doppelzimmer Lehmputz od. Holz100 mit WC/Dusche | 500.00 |
| Doppelzimmer Lehmputz od. Holz100 mit WC/Dusche | 380.00 |
| Kientalerhof: | |
| Einzelbelegung Doppelzimmer mit WC/Dusche | 400.00 |
| Einzelzimmer mit WC/Dusche | 380.00 |
| Einzelbelegung Doppelzimmer mit Etagendusche/WC | 360.00 |
| Doppelzimmer mit WC/Dusche | 310.00 |
| Doppelzimmer mit Etagendusche/WC | 290.00 |
| Dreibettzimmer mit WC/Dusche | 290.00 |
| Dreibettzimmer mit Etagendusche/WC | 250.00 |
| Vierbettzimmer mit Etagendusche/WC | 230.00 |
Persönliche Beratung
Renata Pfeiler
Hauptnummer: +41 33 676 26 76 | E-Mail: renata.pfeiler@kientalerhof.ch